Durch den Westen und weiter
AZ/UT/NV [ENA] Weiter geht meine Reise entlang des Grand Canyon über den Antilope Canyon in der Nähe von Page, das Monument Valley, den Mexican Hat, das Natural Bridges National Monument, das Capitol Reef, den Bryce Canyon Nationalpark und den Zion Nationalpark bis nach Beatty am Rande des Death Valley.
Es ist noch dunkel als ich mein Motelzimmer in der Nähe von Grand Canyon Village verlasse und meinen Weg entlang des Grand Canyon in Richtung Osten fortsetze. Es weht ein eisiger Wind, die Temperaturanzeige meines Autos verrät: 18 Grad Fahrenheit (fast minus 8 Grad Celsius). Ich denke mir nur: "Na, das hast du Dir ja ´nen prima Tag ausgesucht, um den Sonnenaufgang im Grand Canyon zu bestaunen." Und an diesem Tag hatte ich das Gefühl, dass die Sonne sich noch nie zuvor so viel Zeit gelassen hat.
Als die Sonne sichtbar am Himmel steht, packe ich meine Ausrüstung schnell in meinen SUV, springe auf den Fahrersitze, schalte die Sitzheizung an und versuche, meinen Weg gen Osten zitternd und bibbernd fortzusetzen. Am Ende des Nationalparks fahre ich einen großen Hang hinunter, schließlich ist das South Tim über 2.300 Meter hoch. Auf der Verbindungsstraße zum Highway 89 Richtung Norden sind etliche steile Canyon im Sandstein sichtbar, bei deren Anblick ich mir denke: "Wenn man hier mit ´nem Pferd einfach weitergallopiert, kann es ganz schön weh tun!"
Bis zu meinem nächsten Ziel sind es knappe 140 Meilen. Ich fahre Richtung Norden, immer der Ausschilderung nach zur Navajo-Stadt Page. Page ist eine der jüngsten Städte der USA, 1957 als Wohnstadt für die Arbeiter des Grand Canyon Damms am Lake Powell erbaut, hat Page heute noch ca. 6.500 Einwohner. Doch das Zwischenziel meiner heutigen Etappe ist nicht der Ort Page, sondern ein Canyon in seiner Nähe.
Ein Traum wird war - Der Antelope Canyon
Aus Berichten, die ich im Internet gelesen habe, weiß ich, dass ich vor dem Kohlekraftwerk der Navajo links vom Highway 98 abbiegen muss. Nach ein paar hundert Metern führt eine Schotterstraße zu einer tieferliegenden Hütte. Die Hütte ist das Kassenhäuschen des von den Navajo-Indianern privat betriebenen Canyons. Der Canyon selbst unterteilt sich in den Upper und den Lower Canyon. Da es früher Vormittag ist, besuche ich zuerst den Lower Antilope Canyon.
Nachdem ich meinen Obolus entrichtet habe, fragt mich Jim, der Kassierer, nach Sichtung meines Presseausweises, ob es mir recht wäre, wenn Ricki mich zwischen zwei großen Gruppen solo führen würde, damit ich in Ruhe Fotos machen könnte. Das war natürlich der Wahnsinn. Seit einem Unglück 1997 ist es untersagt, den Canyon ohne Guide zu betreten. Damals kamen 11 Menschen bei einer Flash-Flood, einer Sturzflut um. Ricki, ein Navajo in den Zwanzigern, kommt rauchend auf mich zu, stellt sich vor. Wir kommen ins Gespräch und er erklärt mir, wie und warum es zu der Bildung dieses Canyons kam. Dann gehen wir zu dem sehr schmalen Eingang.
Ein kleiner Spalt im roten Sandstein markiert den Eingang in den bis zu 40 Meter tiefen Canyon. Ich schlängle mich trotz meiner Pfunde mitsamt der Kameraausrüstung und Stativ durch die Enge. Zwei steile Leitern aus Metall führen weiter hinab. Als ich den Grund des Canyon erreiche, ist es mir kaum möglich, meinen Mund wieder zu schließen. Umwerfend, einzigartig, überwältigend ist jeder einzelne Schritt in dem nur maximal drei Meter breiten Canyon. Der durch das Wasser geschliffene Sandstein schimmert in den schönsten Tönen: von Tiefrot, über Rosa und Lila bis hin zu Hellbeige. 400 Meter Farbspiel, wie ich es in meinem Leben noch nicht gesehen habe.
Nach etwas mehr als zwei Stunden klettere ich am unteren Ende des Canyons wieder an die Oberfläche. Das grelle Licht der Sonne schmerzt in den Augen, doch ich muss zurück zum Wagen. Ricki hat mir im Canyon noch sein Können auf der Panflöte präsentiert. Nicht nur die Farben, auch die Akustik ist beeindruckend. Noch weitere 125 Meilen und ich bin an meinem heutigen Ziel angekommen - dem Monument Valley. Es ist später Nachmittag als ich mich im Hotel "The View" am Rande des Valleys einquartiere. Das Zimmer ist recht groß, doch das Außergewöhnliche daran ist der Blick vom Balkon.
Auf meinem Balkon stehend blicke ich direkt auf die drei großen Monolithen und die dahinter liegende Ebene. In mir kommt das Gefühl hoch, John Wayne und Harry and Sally ganz nahe zu sein. Da es noch hell ist, die Sonne noch scheint, beschließe ich ein paar Meilen auf dem Horsetrail durchs Valley zu fahren. Erst dabei wird mir die eigentliche Höhe dieser Monolithen bewusst. Mein Blick muss sich immer weiter nach oben richten, um deren Spitze zu erreichen. Schon bald ist selbst mein größtes Weitwinkelobjektiv nicht mehr ausreichend, und ich beschließe, auch auf Grund der fortgeschrittenen Dämmerung, zum Hotel zurückzukehren.
Als der Himmel sich komplett in Schwarz gehüllt hat, stehe ich auf meinem Balkon und bewundere einen Sternenhimmel, wie ich ihn noch niemals zuvor gesehen habe. Deshalb entschließe ich mich dazu, ein Foto mit einer zweistündigen Belichtung anzufertigen. Die Nacht kühlt die Luft schnell und sehr stark ab. Ich entschließe mich dazu nach drinnen zu gehen und die Kamera alleine ihre Arbeit zu vollenden.
Die Sonne weckt mich früh an diesem Morgen. Über 330 Meilen stehen auf dem Programm, meist quer durch die Wildnis. Schnell ist alles Notwendige wieder im Auto verstaut, die Abrechnung mit dem Hotel erledigt und meine vier Räder rollen wieder. Die östlichste Ecke meiner gesamten Tour stellt der Mexican Hat da. Ein platter Felsen, der wie durch ein Wunder auf einem anderen Stein zu liegen scheint. Hinter dem Mexican Hat verlasse ich den Highway 163 in nördlicher Richtung. Der nun folgende Zweihunderteinundsechziger ist für Gespanne, LKW und Wohnmobile gesperrt, und es wird empfohlen einen SUV als fahrbaren Untersatz zu benutzen. Warum, dass merke ich später.
Nach sieben Meilen wird mir der Grund für den zuvor aufgezeigten Hinweis bewusst. Die Asphaltstraße endet mit einem Mal, und verwandelt sich in eine ruppige Schotterpiste, die sich zudem noch in engen Serpentinen den Rand eines Plateaus hinaufwindet. Meine Blicke konzentrieren sich nur noch auf etwaige Schlaglöcher auf der Piste und dessen Rändern. Das Beten, dass nun bitte keine anderes Fahrzeug entgegenkommen möge beginnt. Nach einigem Schweißverlust und einer viertel Stunde später komme ich am oberen Grad an und genieße erleichtert den grandiosen Aus- und Überblick (siehe Foto).
Ich bin im Bundesstaat Utah angekommen, dem Mormonenstaat. Ein Blick auf das Navigationsgerät verrät mir, dass ich erst in zwei Stunden bei den Natural Bridges ankommen werde, obwohl es von hier aus nur noch dreizig Meilen sind. Ich habe vergessen, dass Utah ja bereits auf Winterzeit umgestellt hat. Komisch ist aber, dass doch Arizona in der gleichen Zeitzone liegt wie Utah. Wie kann es dann sein, dass beide doch eine andere Uhrzeit haben. Ganz einfach: Arizona stellt seine Uhren nicht auf Winterzeit um. Dies bedeutet, dass Arizona im Sommer die gleiche Zeit hat wie Utah, im Winter allerdings die Zeit von Kalifornien hat. Also verliere ich heute eine Stunde, und ich komme pünktlich an.
Am Eingang zum Natural Bridges National Monument begrüßt mich Richard, ein Texaner in den Mittfünfziger, mit den Worten: "Willkommen im Park. Wie kann ich Ihnen helfen?". Ich bin erstaunt über sein fast akzentfreies Deutsch, was mich natürlich gleich neugierig fragen lässt, ob er denn als Soldat in Deutschland stationiert gewesen war, wie viele andere auch. Nein, er hat es in Texas in der Schule gelernt. Wir kommen ins Gespräch.
Natural Bridges kostet 10$ Eintritt. Ich möchte bezahlen als mich Richard stoppt. Er fragt mich, welche Nationalparks ich schon besucht hätte und wo ich noch hin möchte. Ich erzählte ihm von meiner Route und er sagte mir, dass ein Jahrespass doch viel günstiger sei. Er rechnet mir die bisherigen Eintrittsgelder auch an, so dass ich nur noch die Differenz zahlen muss. So kosten mich alle Parks nur 80$ ! Ich schwenke auf die Ringstraße, die durch Natural Bridges führt. Insgesamt gibt es drei Brücken zu sehen, der Park ist klein, weshalb er auch nur den Status eines Monument hat.
Ich halte an der ersten Brücke. Ein Paar im Pensionsalter schnürt seine Wanderschuhe für einen Marsch hinunter in den trockenen Canyon. Als ich so meine Aufnahmen mache, höre ich hinter mir einen sehr vertrauten deutschen Dialekt. Es ist hessisch, mein Gott habe ich das vermisst. Ich stelle mich in meiner "Muttersprache" vor und wir lachen herzhaft. Das ist Gerhard und seiner kanadischen Frau auch noch nicht passiert, obwohl der Frankfurter doch bereits vor 20 Jahren nach Yukon ausgewandert ist. Unser Gespräch handelt von meinem Heimatdorf, den Äppelwoi-Kneipen in Sachsenhausen, und ein wenig über Yukon.
Als ich Natural Bridges verlasse ist es bereits Mittag. Ich möchte doch bis zum Abend noch zu meinem reservierten Hotel in Bryce Canyon City kommen. Schließlich liegen noch 255 Meilen, beziehungsweise fünf Stunden Fahrt vor mir. Und ich habe keine Ahnung, wie die Straßen bis dahin sind. Den Beginn macht Fry Canyon mit Jacob´s Chair, weiter geht es über eine Brücke über den Colorado River nahe des White Canyon in Richtung Nordwesten. Ich passiere Desert Creek und komme schließlich über ein Hochplateau in der Ortschaft Hanksville an. Erster Stopp ist die neue Tankstelle am Ortseingang.
Nach dem Tanken und einem Snack in Hanksville, verlasse ich den Ort in westlicher Richtung. Ich fahre direkt durch den Capitol Reef National Park. Hinter jeder Kurve, hinter jeder Anhöhe verstecken sich andere Ausblicke, betörend und umwerfend. Eben war rings um mich herum nichts weiter als Steppe und Prärie, schon durchquere ich ein Tal voller Birken, die zu dieser Jahreszeit mit ihrem Kleid nicht geizen. Es ist ein aufregender, doch auch langer Weg, bis ich im Dunkeln, mit dem letzten Flecken Abendrot am Himmel, Bryce Canyon City erreiche.
Bryce & Zion - Zwei unglaubliche Nationalparks
Es ist früh am Morgen. Raureif liegt auf den Feldern, die den kleinen Ort Bryce Canyon City umgeben. In nur fünf Fahrminuten erreiche ich den Bryce Canyon Nationalpark. Durch den Nationalpark führt eine zwölf Meilen lange Straße in Richtung Süden bis zum Rainbow Point. Die Straße ist leider eine Sackgasse, so dass man den selben Weg auch wieder retour fahren muss, um heraus zu kommen. An diesem frühen Morgen strahlt die Sonne wieder mit meinem Lächeln um die Wetter. Ich genieße die Fahrt, vorbei ein Rehen und Kaninchen, wundervollen Felsen und ergreifenden Ausblicken. Der auf einer Höhe von 2.400 bis 2.700 Metern liegende Bryce Canyon ist berühmt für seine Hoodoos, den Gesteinspyramiden.
Was anfangs nur als Transferetappe zum 350 Meilen entfernten Death Valley gedacht war, hat sich nun geändert. Nicht das ich nicht noch bis Beatty am Rande des Death Valley fahren müsste. Doch als ich vom Bryce Canyon in Richtung Interstate Nr. 15 fahre, habe ich die Möglichkeit, die Route so zu legen, dass ich den Zion Nationalpark durchqueren kann. Das lasse ich mir nicht entgehen, und biege weiter südlich zum Zion Nationalpark ab. Atemberaubende Steilwände, tiefe Schluchten, bizarre Felsstrukturen sind der Lohn.
Um 21 Uhr komme ich nach über 350 Meilen und über acht Stunden Fahrzeit in meinem Motel in dem kleinen Ort Beatty in der Nähe des Death Valley Nationalparks an. Total erschöpft falle ich in mein Bett, mache noch den Fernseher an, bekomme aber kaum mehr mit, was mir die Nachrichten erzählen wollen. (weitere Informationen zu der Reise finden sie auch unter www.sebsblog.eu)




















































