Freitag, 18.05.2012 08:06 Uhr

Meister der Linien

Verfasser: Winfried Schendel Berlin, 09.01.2012, 16:21 Uhr
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Albrecht Altdorfer, Kircheninneres, um 1520
Albrecht Altdorfer, Kircheninneres, um 1520   Bild: © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Foto: Jörg P. Anders

Berlin [ENA] Der Regensburger Albrecht Altdorfer (um 1480 - 1538) war ein Meister der Linien! Seine Graphiken und Zeichnungen zählen zu den herausragendsten Werken der Renaissance in Deutschland. Die Gemäldegalerie zeigt noch bis zum 19. Februar 2012 Graphiken dieses bedeutenden Konkurrenten Albrecht Dürers.

Im Berliner Kupferstichkabinett lagern 233 Blätter Altdorfers; darunter 32 von insgesamt 117 Zeichnungen die von Experten als eigenhändig, anerkannt werden. Daran erinnert jetzt diese kleine aber feine Ausstellung in der Gemäldegalerie, die im Besitz von sieben Bildern Altdorfers ist. Die 24 Zeichnungen, Radierungen, Holzschnitte und Kupferstiche sind völlig ausreichend um dem Besucher Altdorfers graphisches Können zu veranschaulichen. Denn Altdorfer der Grafiker, ist mit Altdorfer dem Maler durchaus auf eine Stufe zu stellen. An dieser Fülle von Linien kann sich das Auge nicht sattsehen.

Faszinierend wie es dem Künstler gelingt, Bäume in kleinen Kringeln anzudeuten, wie er Berge flächig auf Papier punktet oder durch gekonnte Schraffuren eine ambivalente Spannung erzeugt. Es gelingt ihm in meisterhaften graphischen Kompositionen, Menschen, Tiere und Pflanzen in ein Gesamtgefüge einzubetten. Ohne Zweifel hat Altdorfer in der künstlerisch reichen Dürerzeit viele Konkurrenten übertroffen. Es ist eine hochkomplexe Zeit zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Als die Wissenschaften aufblühten, und Martin Luthers reformierte Auslegung des Christentums die Menschen ergriff, die katholische Kirche ins Schlingern brachte und damit gleichzeitig auch blutige Kriege auslöste.

Dürers in Italien hauptsächlich durch Naturbeobachtungen geschultes Auge beeindruckten und beeinflussten hauptsächlich die süddeutschen Künstler. Auch wenn Altdorfer sich das berühmte Monogramm Dürers mit den eigenen Initialen selbstsicher aneignete, war sein Schaffen von diesem nur minimal geprägt. Ein allzu getreues Abbild der Natur hat Altdorfer nicht geschätzt. Betrachtet man seine Figuren, so erinnern sie eher an Missgeburten. Ob Landschaften oder Pflanzen – und Naturreliefs, alles wirkt abstrahiert verkürzt. In eine, durch ein Gewirr von Linien unnatürlich wirkende Landschaft, integriert Altdorfer seine Figuren virtuos in dieses grafische Geflecht.

Mensch und Natur werden so zu einer untrennbaren schöpferischen Einheit. Diese düsteren und geheimnisvollen Bilder auf eingefärbtem Papier, bieten eine Vorausschau auf die romantischen Bilder des frühen 19. Jahrhunderts. Dunkle Farben überwiegen. Schwarze Wälder und Ruinen verwischen sich mit den dunklen Blau -, Braun – und Grüntönen des Bildträgers. Nur einige getupfte Lichtpunkte hellen die trübe Atmosphäre etwas auf. Altdorfer ist ein miserabler Menschendarsteller, aber ein herausragender Kolorist. Seine magisch anmutenden Gebirgslandschaften, die sich in der Ferne in ein tranceartiges Kobaltblau verlieren, tragen den Zug des Unwirklichen.

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