Martin Walser ehrt Heinrich Heine zum Geburtstag
Düsseldorf [ENA] Mittwoch, 21.12.2011 - Mit dem Ehrengast Martin Walser (84) kamen anlässlich des Geburtstags des Dichters Heinrich Heine rund 1000 Literaturfans zur 1. Düsseldorfer Heine-Nacht mit Lesungen, Performances und Konzerten und feierten Heines 214. Geburtstag.
Im Institut Francais, Heine-Institut und Palais Wittgenstein, das ein umfang- und facettenreiches Programm bot, strömten diesseits und jenseits der Bilker Straße bis kurz vor ein Uhr nachts rund 1000 Literaturfreunde, um den in der Düsseldorfer Altstadt geborenen Dichter Heinrich Heines 214. Geburtstag ((* 13. Dezember 1797 - † 17. Februar 1856 in Paris) gebührend zu feiern. Ehrengast und Laudator war Autor und Schriftsteller Martin Walser, der vor 30 Jahren die Heine-Plakette bekam, aus seinen Essays "Heines Größe" und "Heines Tränen" las sowie über sein persönliches Verhältnis zum Dichter Heine sprach.
Darüber hinaus gab es Lesungen mit Ingrid Bachér, Stan Lafleur und Jan Skudlarek, Performances von Gerhard Stäbler, Kunsu Shim, Niklas Stiller und Marc Matter, die Präsentation "Heine und Paris". Zudem erwartete das Publikum ein abwechslungsreiches musikalisches Programm: Das Opernstudio der Deutschen Oper am Rhein präsentierte romantische Heine-Vertonungen russischer Komponisten, in den Ausstellungsräumen waren Klanginstallationen von der jungen und hochbegabten Harfenistin Magdalena Hoffmann zu hören, und Bas Böttcher lud im Institut Français zu einem Heine-Rap.
1. Heine-Nacht ein großer Erfolg
Der Andrang bei den 22 Events an drei Orten war so groß, dass Martin Walser seine Texte "Heines Tränen“ und "Heines Größe“ sogar zweimal lesen musste, erst um 18, später um 22 Uhr, zudem wurde sein nahezu bühnenreifer Vortrag live in einer Art literarisches Public Viewing in den Lesesaal des Heine-Instituts übertragen. Bilanz der Institut-Mitarbeiter: mit rund 1000 Besuchern war die 1. Heine-Nacht ein großer Erfolg. Sabine Brenner-Wilczek, Leiterin des Heine-Instituts sagte in einem Gespräch, dass mit der Heine-Nacht künftig im Zwei-Jahres-Turnus Heines Geburtstag gefeiert werden soll, alternierend mit der Verleihung des Heinrich-Heine-Preises der Stadt. Warum erst in zwei Jahren?
Star des Abends: Meister-Erzähler Martin Walser
Ehrengast und Star der 1. Heine-Nacht war der 84-jährige Meister-Erzähler und Vielschreiber Martin Johannes Walser (2011: "Muttersohn“). 1981 erhielt er die Ehrengabe der Heinrich-Heine-Gesellschaft und hatte 2010 den Essay "Heines Größe“ verfasst, als Nachwort zu der lange verschollenen Heine-Schrift "Französische Zustände“. Buchautor Walser erinnerte an die Nachkriegszeit, als es für ihn "nur noch Heine“ gab. Er habe damals verstanden, dass Dichtung nicht feierlich sein müsse (wie bei Hölderlin und Schiller), um infrage zu kommen.
Walser, der sich als erster Liebender an diesem Heine-Abend outet, erzählt aber auch von einem Heine, der einen "ungenierten Umgang mit sich selbst" pflege. Die Neigung zur ergreifenden Selbstliebe also ist ihm nicht allzu fremd. Heine habe nach Walser die Wirklichkeit und die Poesie säkularisiert: "Er drückt nicht aus, was er sagen will, sondern er sagt, was er sagen will. Er macht Gebrauch vom Gewöhnlichen, und unser Gefühl gibt zu, dass das Gewöhnliche das Ganze ist."
"Denk ich in Deutschland an der Nacht, schlaf ich weiter ...
Zudem sprach Walser über den politischen Umbruch 1832 in Paris, den Heine, einer der bedeutendsten deutschen Dichter und Journalisten des 19. Jahrhunderts in den "Französischen Zuständen“ kommentierte – im Auftrag der in Augsburg erscheinenden "Allgemeine Zeitung“. Heine, als "letzter Dichter der Romantik“ schwärmte über Revolution, Republikaner und einen Bürgerkönig. Mit Blick auf deutsche Verhältnisse nach dem Mauerfall 1989, veränderte Walser mit Schmunzeln einen berühmten Heine-Vers: "Denk ich in Deutschland an der Nacht, schlaf ich weiter bis halb acht.“
Infos zum Heinrich-Heine-Institut
Das Heinrich-Heine-Institut ist mit seinem Archiv, seiner Bibliothek, seinem Museum sowie mit seinen Veranstaltungen ein Zentrum der internationalen Heine-Forschung und vielfältiger literarisch-kultureller Vermittlung. Mit zahlreichen Aktivitäten wendet es sich an eine literarisch und kulturhistorisch interessierte Öffentlichkeit. Das Museum im Heinrich-Heine-Institut ist weltweit das einzige Museum für den 1797 in Düsseldorf geborenen Dichter Heinrich Heine. - Mehr Info über Heinrich-Heine-Institut, Bilker Straße 12-14, 40213 Düsseldorf, Telefon +49.(0)211.89-92902.




















































